Wie können im Distanzunterricht Aufgaben zur Wissenserarbeitung und -überprüfung strukturiert und organisiert werden?


Distanzlernen bedeutet oftmals ein hohes Maß an selbstorganisiertem und eigenständigem Lernen. Dafür werden zumeist von den Lehrenden den Schüler:innen Materialien an die Hand gegeben und die Bearbeitung derer mittels Aufgaben strukturiert. Der Gestaltung dieser Aufgaben in Inhalt, Menge und Zeitablauf kommt dabei eine zentrale Bedeutung für einen erfolgreichen Lernprozess zu. Daher sollten bei der Aufgabenstellung einige Aspekte beachtet werden.

Je nach Vorwissen kannst Du in diesem Artikel zu folgenden Abschnitten „springen“:

Grafische Darstellung im Skizzenstil eines Hakens

Die wichtigsten Tipps vorweg

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Aufgaben aufbereiten - Material und Arbeitsauftrag

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Rückmeldung und Feedback gestalten

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Zur Vertiefung

Grafische Darstellung im Skizzenstil eines Hakens

Die wichtigsten Tipps vorweg

 

Planen Sie weniger Inhalte als in Präsenz:
Schüler:innen arbeiten asynchron in ihrem eigenem Tempo. Dabei treten zu Hause deutlich mehr „Störungen“ auf, die die Schüler:innen aus dem Lernprozess reißen. Daher benötigen die Lernenden zu Hause bei der selbständigen Erarbeitung von Materialien fast doppelt so lange wie im gemeinsamen Präsenzunterricht.

Nutzen Sie Wochenpläne:
Eine Vergabe von täglichen Arbeitsaufträgen, die die Schüler:innen innerhalb kürzester Zeit erledigen müssen, ist für einige Lernende unrealistisch. Das Arbeiten über einen Wochenplan ist für Schüler:innen besser zu koordinieren. Bedenken Sie auch, dass nicht jeder Schüler oder Schülerin die dafür notwendigen Mittel (z.B. Drucker, Computer) zur ständigen Verfügung hat, weil er oder sie sich die Mittel mit Eltern oder Geschwistern teilen muss.

Skizze, im oberen Bildbereich steht das Wort

Geben Sie Orientierung:
Geben Sie Orientierung in Bezug auf Bearbeitungsdauer einer Aufgabe oder Lerneinheit und deren Zielsetzung und Bewertung. Holen Sie dabei auch sich regelmäßig eine Rückmeldung von den Schüler:innen dazu ein, wie lange sie an den Aufgaben gesessen haben. So können Sie das Arbeitspensum von Woche zu Woche besser einschätzen und anpassen.

Stimmen Sie Aufgabenstellung auf die Zielsetzung ab:
Die Aufgaben hängen in Material, Art und Menge immer auch von den zu erreichenden Lernzielen ab. Formulieren Sie diese und stimmen Sie die Aufgaben sowie formativen und summativen Beurteilungsformen darauf ab.
Im Präsenzunterricht dienen Aufgaben wie z.B. Hausaufgaben oftmals dazu, Faktenwissen zu memorieren, Gelerntes aus dem Unterricht zu üben und anzuwenden sowie Lernfortschritte zu überprüfen. Während so die Lernaufgaben den Lernprozess sichern, setzen sie im Distanzunterricht früher an, nämlich das eigenständige Erarbeiten des Lerngegenstandes anzuregen.

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Aufgaben aufbereiten - Material und Arbeitsauftrag

Oftmals ist beim Distanzlernen das Lehrwerk des jeweiligen Fachs die Quelle für Materialien und Arbeitsaufträge. Diese bilden auch eine gute Grundlage. Fehlen Ihnen im Lehrwerk Informationen, die Sie im Unterricht ergänzen möchten, dann suchen Sie Material, das die vorhandenen Unterlagen anreichert. Vermeiden Sie dabei jedoch unbedingt Redundanzen und Dopplungen. Sie wollen ja, dass die Schüler:innen etwas Neues erfahren und sie nicht mit gleichen Informationen nur aus anderer Quelle beschäftigen.
Verwenden Sie formulierte Arbeitsaufträge (z.B. aus dem Lehrwerk), beachten Sie, dass diese meist für die Lerngruppen in Präsenz formuliert sind. Überlegen Sie, welche Anpassungen im Distanzunterricht notwendig sind und formulieren Sie diese für Ihre Lerngruppe um.
z.B. Aufgabe: Diskutiere mit Deinem Sitznachbarn XY
Im Distanzunterricht könnten die Schüler:innen

  1. die Frage nun schriftlich aus ihrer Perspektive bearbeiten. Achtung: Dies ist deutlich zeitintensiver als ein kurzes Gespräch mit dem Nachbarn.
  2. die Frage auch mit einem Partner per „Chat“, Telefonat oder Videocall diskutieren. Achtung: Auch dies braucht deutlich mehr Zeit, da der Austausch organisiert werden muss. Außerdem muss klar geregelt sein, wie dieser Austausch dokumentiert werden soll (Screenshot o.ä.).

Möchten Sie neue digitale Tools für die Bearbeitung einführen, achten Sie darauf, dass die Vielfalt (über alle Fächer hinweg) Ihre Schüler:innen nicht überfordert. Setzen Sie ein neues Tool ein, geben Sie den Schüler:innen zunächst eine kurze Einweisung in das Tool.

Grafische Darstellung im Skizzenstil, auf der Linkenseite ist ein Kreidestück zu sehen, auf der rechten Seite eine Computermaus, dazwischen ist ein Ungleich-Zeichen

Aufgaben kommunizieren:
Formulieren Sie die Arbeitsaufträge in kurzen Sätzen. Wenn Sie Videokonferenzen nutzen, geben Sie die Aufgaben dort aus und formulieren Sie dabei auch Ihre Erwartungshaltung an die Bearbeitung sowie die Einreichung und Abgabezeitpunkt.

Kommunizieren Sie die Aufgaben immer auf den gleichen Kanal (LMS, MSTeams…). Ein Wechsel der Kanäle führt zu zusätzlicher Verwirrung und Stress. Führen Sie tägliche, verlässliche Kommunikationszeiten ein, in denen Sie von den Schüler:innen kontaktiert werden können oder Rückmeldungen auf Fragen geben. Vermeiden Sie eine 24/7 Kommunikation. Auch wenn ein schnelles Feedback von Ihnen gut gemeint ist, können nächtliche Posts bei den Schüler:innen zu Stress führen – genauso wie bei Kolleg:innen und auch Ihnen selbst.

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Rückmeldung und Feedback gestalten

Mit der Bearbeitung der Aufgaben entwickeln die Schüler:innen Lösungen. Durch das Feedback zu richtigen Lösungen verfestigen und stabilisieren sich die Lösungswege. Über ein erläuterndes Feedback zu den falschen Lösungen unterstützt der Lehrende den Lernenden, richtige Lösungsstrategien zu finden.

Nun kann bei großen Lerngruppen im Distanzunterricht nicht erwartet werden, dass die Lehrer:innen ein vollständiges Feedback zu allen Lernaufgaben geben. Daher sollten sich die Lehrer:innen bei der Entwicklung der Aufgabenstellung überlegen, welche Form des Feedbacks gegeben werden soll. Hierbei ist es wichtig, dass die Schüler:innen wissen, in welcher Form und in welchem Zeitraum ein Feedback erzeugt wird. Je nach Aufgabentyp und Komplexität der Fragestellung eignen sich verschiedene Vorgehensweisen. In der Praxis hat sich eine Mischform der unterschiedlichen Feedbacks bewährt:

  1. Bereitstellung einer Musterlösung nach dem Bearbeitungszeitraum
  2. Einzelfeedback an die Schüler:innen mittels individueller Korrektur (ggf. pro Aufgabe an einen definierten Teil der Gruppe, z.B. jeweils an 5 Schüler:innen)
  3. Peer-Feedback: Die Schüler:innen geben sich gegenseitig eine Rückmeldung (besonders geeignet bei offenen Fragestellungen, Argumentationen)
  4. Präsentation der Lernprodukte im Live-Online-Unterricht (Projektarbeit)

Den Schüler:innen muss mindestens mittels einer der o.g. Methoden die korrekte Lösung der Aufgabe mitgeteilt werden, damit diese ihre eigenen Aufgabenbearbeitung korrigieren können. Die solitäre Rückmeldung „falsch“ reicht dabei nicht aus, da so die Schüler:innen nicht aus den Fehlern lernen und die richtige Lösung nachvollziehen können.

Skizzenhafte Darstellung mit dem Text

Und zu guter Letzt:
Holen Sie sich auch regelmäßig Feedback Ihrer Schüler:innen ein. Bleiben Sie im Austausch und im Kontakt. So können Sie den Lernfortschritt überblicken und Folgeaufträge daran ausrichten. Denken Sie daran, dass Sie neben dem Lernprozess auch die zwischenmenschliche Ebene fördern. Machen Sie das Lernen – auch ohne reale Begegnungen – persönlich. Planen Sie den Lernprozess Ihrer Schüler:innen über Aufgaben und Feedback strukturiert durch, um durch einen sicheren Prozess allen Sicherheit zu geben und den Freiraum für individuelles Arbeiten mit den Schüler:innen zu gewinnen.

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Zur Vertiefung

Tipps & Übungen

Checkliste zur “Aufgaben stellen im Distanzunterricht” (Zusammenfassung der o.g. Punkte)

Aufgabenpensum: Weniger ist mehr

  • Setzen Sie Prioritäten
  • Planen Sie die doppelte Bearbeitungszeit
  • Nutzen Sie Wochenpläne
  • Holen Sie Feedback zur Bearbeitungsdauer ein

Lernziele: Der Weg ist das Ziel

  • Stimmen Sie die Art der Aufgabe auf die Lernziele ab
  • Stimmen Sie die Bearbeitungsform auf die Lernziele ab
  • Planen Sie die Art der Rückmeldung in Bezug auf die Ziele

Arbeitsauftrag: Klar und verständlich

  • Stimmen Sie bestehende Aufgaben auf die Arbeitsbedingungen im Distanzunterricht ab
  • Nutzen Sie weitere Materialien zur Anreicherung – vermeiden Sie Redundanzen
  • Führen Sie neue (digitale) Tools dosiert und immer mit entsprechender Erläuterung ein

Kommunikation: Einheitlich und verlässlich

  • Nutzen Sie kurze und verständliche Sätze zur Beschreibung der Aufgabenstellung
  • Kommunizieren Sie immer über die gleichen Kanäle
  • Kommunizieren Sie, wie und wann Sie erreichbar sind. Führen Sie Office-Zeiten ein. Sie müssen nicht permanent, jedoch verlässlich erreichbar sein.
  • Kommunizieren Sie die Art und Zeitraum der einzureichenden Lösungen sowie Art und Zeitraum für die Rückmeldung darauf

Rückmeldung: Auch Feedback ist Lernen

  • Planen Sie aktiv ihre Lernbegleitung für Rückfragen und schwächere Schüler:innen
  • Legen Sie mit der Aufgabenstellung auch die Feedbackform fest
  • Nutzen Sie auch andere Formen des Feedbacks, um sich von einer 100%igen Korrektur der Lösungen zu entlasten
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