Was ist ein Lernmanagementsystem (LMS) und wofür kann ich es im Unterricht einsetzen?


Starten wir bei den Grundlagen!
Ein Lernmanagementsystem (LMS) oder auch Lernplattform genannt ermöglicht die Organisation digitalen Lernens sowie einen digitalen Austausch zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen. Sie ermöglichen das Verteilen von Lerninhalten, das Verteilen, Bearbeiten und Einreichen von Aufgaben sowie die Überprüfung von Lernständen inkl. der Möglichkeit, den Lernenden individuelles Feedback zu geben. Lernplattformen sind dabei eher auf die asynchrone Kommunikation und Lernen ausgerichtet, als auf zeitgleiche live-Interaktionen. Für live-Unterricht im Sinne eines virtuellen Klassenzimmers sind Audio- oder Videochats geeignet.

Je nach Vorwissen kannst Du in diesem Artikel zu folgenden Abschnitten „springen“:

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Was ist ein LMS?

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Wie setze ich ein LMS im Unterricht ein?

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Was ist der Nutzen und die Vorteile von einem LMS?

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Zur Vertiefung

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Was ist ein LMS?

Ein Lernmanagementsystem ist eine Softwareanwendung und stellt die Basis für eine technologische Lern-Infrastruktur dar. Es unterstützt den klassischen Präsenzunterricht sowie stärker medien-basierte Lernformate (Blended-Learning) oder den Fernunterricht im HomeSchooling. Es dient der Bereitstellung von Lerninhalten und der Organisation von Lernvorgängen.
Über das LMS erfolgt die teilnehmerspezifische und zeitlich gesteuerte Bereitstellung der medialen Lerninhalte (Lernmedien). Es ermöglicht die Kommunikation zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen, stellt die Lernressourcen (Materialien) bereit und koordiniert Arbeitspakete sowie virtuellen live-Unterricht (Administration des Zugangs zu Audio- und Videochat). Darüber hinaus übernimmt ein LMS meist auch Verwaltungsaufgaben.
In folgender Abbildung werden die Funktionen eines LMS überblicksartig dargestellt:

Funktionen eines Lernmanagementsystems: Benutzerverwaltung, Kursverwaltung, Rollen und Rechte, Kommunikation, Kollaborationswerkzeuge, Content Erstellung, Autorensystem, Einbindung Video- und Audiochat
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Wie setze ich ein LMS im Unterricht ein?

Ein LMS dient im Unterricht vor allem dazu, zeitlich asynchrone Kommunikation und Interaktion mit Lernenden zu gestalten und Lernmaterialien zu verteilen.

Folgendes wird dabei häufig eingesetzt:

  • Bereitstellung von medialen und interaktiven Lehr-/Lernmaterialien: Hierzu gehören z.B. Texte, Bilder, Links, Lernvideos etc.
  • Gestaltung inhaltlicher Vertiefung sowie Lernstandsermittlungen über z.B. Aufgaben, Quizzes, Abfragen etc.
  • Kommunikation mit der Lerngruppe über Foren, Ankündigungen, Kommentare sowie auch mit einzelnen Lernenden über Feedback zu und die Bewertung von Aufgaben.
  • Interaktion mit Lernenden über Wikis, Chats, Umfragen, Gruppenarbeiten etc.
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Was ist der Nutzen und die Vorteile von einem LMS?

Da das LMS vor allem zur Organisation von asynchronem Lernen eingesetzt wird, entfaltet es seinen Nutzen vorrangig bei der Gestaltung von Selbstlernphasen. Die Schüler:innen können die Lerninhalte in ihrem eigenen Lerntempo bearbeiten, enthaltene Lernmaterialien können bei Bedarf mehrfach bearbeiten und dabei über die Forenfunktion bei Fragen mit den Lehrer:innen in den Austausch gehen. Darüber hinaus können sie über technisch automatisiert ausgewertete Lernstandsabfragen (Test) in Echtzeit ein Feedback zu dem persönlichen Wissensstand erhalten. Die meisten LMS bringen integrierte Funktionen für die Erstellung Tests mit. Sie können dann Lernenden bereitgestellt sowie je nach Bedarf automatisiert oder manuell bewertet werden.

Der Lehrende erhält über die statistischen Auswertungen im LMS einen Überblick über die Bearbeitungsstände und Lernstände (Auswertungen der Wissenschecks) der gesamten Gruppe. So können sie sich bei Bedarf zielgerichtet mit den schwächeren Schüler:innen beschäftigen.
Das LMS ermöglicht darüber hinaus auch eine Binnendifferenzierung innerhalb einer Lerngruppe über die Bereitstellung verschiedener Lernmaterialien. Natürlich kann hier auch ein Wissenscheck vorab dafür eingesetzt werden, den Lernenden – je nach Ergebnis des Checks – ihren optimalen individuellen Lernpfad vorzuschlagen.

Die Vorbereitung von digitalen Lerninhalten erfordert im ersten Schritt einen erhöhten Vorbereitungsbedarf. Jedoch können die Funktionen wie automatisiertes Feedback auch den Lehrenden im Rahmen der Lernstandsüberprüfung entlasten. Letztlich wird die kontinuierliche Nutzung eines LMS auch dazu führen, dass der entwickelte Lerninhalt über die Jahre und Lerngruppen hinweg mehrfach genutzt werden kann. Eine Klassenübergreifende Entwicklung des Lerninhalts kann darüber hinaus die einzelne Lehrkraft in der Menge entlasten.

Das LMS setzt den technischen Rahmen für den Unterricht, ermöglicht den Zugriff auf den Lerninhalt meist über alle gängigen Endgeräte (Laptop, Smartphone, Tablet etc.) und erfüllt dabei die Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit.
Nachfolgende Abbildung soll den Nutzen eines LMS für die verschiedenen Beteiligten kurz zusammenfassen:

Übersicht zum Nutzen eines Lernmanagementsystems; Bereich Schule: Einheitliche Plattform zur Bereitstellung von Lehrinhalten, Ermöglichung von mediengestütztem Lernen, Gestaltung Homeschooling, Datenschutz / Bereich Lernende: Individuelles Lerntempo, Mehrfache Nutzung der Lehrinhalte, Automatisches Feedback, Erweiterung digitalen Schlüsselkompetenz / Bereich Lehrende: Organisation der Lerninhalte, Automatisierung von Lernstandskontrollen, Überblick über Lernaktivitäten; Kommunikation / Bereich Lerngruppe: Differenzierter Unterricht, Organisation von Gruppen- und Projektaufgaben
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Zur Vertiefung

Tipps & Übungen

Tipp1:
Vor der Einführung eines LMS überlege dir, welchen Lerninhalt du hier in deiner Schule verfügbar machen möchtest. Sollen lediglich Dokumente verwaltet und ausgetauscht werden, benötigst du nur ein schlichtes LMS. Alternativ überlege hier, ob du in deiner Schule schon andere Tools eingeführt haben, die diese Aufgabe mit übernehmen können wie z.B. Microsoft Teams. Am Markt gibt es eine vielfältige Anzahl an Anbietern von LMS-Systemen, überlegt im Kollegium oder in der Arbeitsgruppe zunächst, welche Funktionalitäten benötigt werden und wählt erst dann das dafür geeignete System aus. Bindet in die Auswahl und Entscheidung deine Kollegen sowie eher skeptische Mitglieder deines Kollegiums und auch gerne die Schülervertretung mit ein, um die nötige Akzeptanz bei allen Beteiligten zu fördern.

Tipp2:
Da die Erstellung von medialem Lerninhalt aufwändig ist, überlege dir, wo du bereits bestehende Materialien erhalten könntest. Es gibt verschiedene Lernressourcen, die du frei (meist unter Angabe des Autors) nutzen kannst, sog. OpenEducationalResources (OER). Beachten dabei immer die urheberrechtlichen Bestimmungen! Ergänzend stimme dich sich mit deinem Lehr-Kollegen ab, wer welche Materialien erstellt. Viele schaffen mehr!

Tipp3:
Lerninhalte wirken für Schüler:innen motivierend, wenn auch Videos mit eingebunden werden. Findest du kein geeignetes und nutzbares Video (Urheberrecht), dann scheue dich nicht davor, selber mal ein Video zu erstellen. Für die Lernenden ist es sehr motivierend, wenn die eigenen Lehrkraft das Video erstellt hat. Dabei muss nicht alles perfekt sein. Videos können Sie schon mit dem eigenen Smartphone erstellen. Schauen Sie sich mal auf anderen Plattformen um, wie hier Videos gemacht sind (z.B. Youtube, Sofatutor).

Referenzen & Links

Freies Tool zur Erstellung von medialem Lerncontent (z.B. Quizzes):
https://h5p.org/

Lernmaterialien, die z.T. zur freien Verwendung verfügbar sind (OER):
https://www.learningsnacks.de/

Freie Lernmaterialien und Tools zur Nutzung im Unterricht
https://oer.schule/

Best-Practice Beispiel

Die Einführung eines LMS kann innerhalber verschiedener Anwendungsszenarien geschehen. Diese Zielsetzungen können beispielhaft sein:

  1. Anreicherung des Unterrichts über medienbasiertes Lernen mit der Möglichkeit, das Lernen zu individualisieren. Förderung der Kreativität und Kooperationsfähigkeit der Lernenden.
  2. Koordination und Organisation von Lerngruppen und Arbeitsphasen zur Gestaltung von projektbezogenem Lernen oder Blended Learning.
  3. Umsetzung der Arbeit an einem dynamischen Curriculum.

Jetzt weiterlernen!

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