Welches digitales Endgerät ist das Richtige?


In den letzten 10 Jahren hat sich in digitaler Hinsicht in den Schulen noch nicht viel getan. Viele haben noch immer keinen Internetanschluss, der Verbindung in einem Maße erlauben würde, welches tragbar wäre für eine Masse an Zugriffen durch Lehrkräfte und Schüler:innen trotz  großer Versprechen der Schulträger. Wahrscheinlich geht es Ihnen also wie mir, wenn Sie von leuchtenden Beispielen all der wunderbaren Apps und Möglichkeiten echten hybriden Lernens in den Weiten des Internets lesen, während gerade in der aktuellen Situation Eltern, Journalist:innen und Politiker:innen den Lehrkräften Desinteresse und Unfähigkeit vorwerfen. Aber:  Es geht mit etwas Engagement tatsächlich mehr, als man Anfangs evtl. für möglich halten möchte.

Je nach Vorwissen kannst Du in diesem Artikel zu folgenden Abschnitten „springen“:

Was ist tatsächlich nötig für den Anfang?

Beamer wächst mit - von Projektion zu interaktiven Unterricht

BYOD oder Tabletklassen?

Zur Vertiefung

Was ist tatsächlich nötig für den Anfang?

Oft wird in Kollegien lange über Smartboards oder Dokumentenkameras diskutiert – beides sehr wartungsaufwändige und kostspielige Alternativen. Smartboards können oft aufgrund des mageren Budgets für Schulen nur für wenige Räume gleichzeitig angeschafft werden. Bei der nächsten Runde stellt sich dann oft heraus, dass die Software eine andere ist, eine andere Firma ist evtl. günstiger und bekommt so den Zuschlag, die Naturwissenschaften bekommen das Ganze wohlmöglich zuerst und der Rest des Kollegiums sieht entsprechend keinen Anlass, sich in die -oft leider nicht intuitive- Welt der Smartboards einzuarbeiten. Geräte, die den Namen offensichtlich verdient haben und dabei auch intuitiv als Tafel nutzbar sind, wenn jemand nicht auf das zugehörige Programm zurückgreifen möchte oder nur ausnahmsweise in dem Raum mit dem Board ist sind meist nicht unter 5.000 € zu bekommen und bringen daher meist nur wenige Kolleg:innen in den Genuss wirklich „smart“ zu arbeiten. Die oft angepriesenen Dokumentenkameras stellen hier selten eine mögliche Alternative dar. Natürlich sind sie in der Anschaffung und Wartung kostenfreundlicher – die Anwendung ist aber hier eher auf das Level eines Overhead Projektors (OHP) begrenzt und so manche Lehrkraft macht lieber schnell eine Kopie auf Folie, als sich auf ein oft verzögertes Bild zu verlassen, welches gegenüber dem OHP nur den Vorteil hat, auch Schülerergebnisse schneller zu präsentieren ohne auf Folie gezogen werden zu müssen. Vorausgesetzt die Lehrkraft verfügt über eine Endgerät – sei es Handy, Tablet oder Laptop – bietet ein Beamer eine kostengünstige Alternative und kann vergleichsweise günstig die Funktionen des Smartboards und der Dokumentenkamera kombinieren.

Was heißt das für die Praxis?

Bei den Endgeräten muss oft das genommen werden, was vor Ort ist. Sobald du hingegen ein eigenes Endgerät besitzt, steht dir beinahe die komplette digitale Welt offen. Viele Smartphones und Tablets und eigentlich alle Laptops lassen sich mit dem Beamer verbinden und schaffen so die Möglichkeit alle digitalen Inhalte live im Klassenraum anzuzeigen. Der zusätzliche Vorteil: Dein Smartphone, Tablet oder Laptop sind portabel und du hast alle wichtigen Inhalte immer bei dir.

Beamer wächst mit - von Projektion zu interaktiven Unterricht

In der Realität läuft es leider meistens darauf hinaus, dass mindestens die Lehrkraft “Bring your own Device” praktiziert – also das Mitbringen eigener Geräte zum Unterricht. Mit einem Beamer – idealerweise fest in jedem Klassenraum – und einem Endgerät lässt sich sehr viel schon umsetzen, was vorher unmöglich schien.  Die niedrigschwellige Lösung ist der Einsatz als Dokumentenkamera bzw. reine Projektion. (s. Fallbeispiele)

Die Kombination Beamer + Endgerät ist auch flexibel gegenüber den Fähigkeiten der Lehrkraft. Je mehr man sich aneignet auf digitaler Ebene – der Beamer macht mit! Die Beschreibung der Nutzung als Dokumentenkamera hat es bereits angedeutet: von der reinen Projektion ist man schnell auch in der Interaktivität.  Egal welche digitalen Möglichkeiten man für sich selbst mit der Zeit entdeckt: sei es Mentimeter, Kahoot oder andere Feedback- bzw. Quizelemente oder die Nutzung von Programmen zur eigenen Planung und Gestaltung von Unterricht (zB Goodnotes oder OneNote) – an den Beamer angeschlossen kreiert man auf die Schnelle sein eigenes Smartboard. Hat die eigene Schule dann auch noch einen Internetanschluss bzw. tragfähiges W-Lan, so erweitern sich die Möglichkeiten natürlich ständig. Mehr Apps sind möglich, mehr Interaktivität mit der gesamten Klasse/dem gesamten Kurs bieten sich an. Die Arbeit mit Apps und Programmen und vielen mehr wird so natürlich erleichtert – zumal nicht jede Lehrkraft bereit ist hier ständig mit eigenem Datenvolume zu arbeiten.

Was heißt das für die Praxis?

Mit einem Endgerät und einem Beamer lassen sich vielseitige digitale Unterrichtsmethoden auch ohne komplizierte zusätzliche Geräte umsetzen. Nimm dir am Anfang allerdings nicht zu viel vor. Für den Anfang reicht die reine Projektion. Arbeite dich dann Schritt für Schritt an weitere und komplexere EInsatzmöglichkeiten wie interaktive Quizze oder digitale Kolaborationstools heran.

BYOD oder Tabletklassen?

An der Frage nach einem anzuschaffenden Endgerät scheiden sich oft die Geister. Die einen loben Apple, die anderen bestehen auf Chromebooks, die nächste Schule setzt auf BYOD (s. oben) auf der Seite aller Beteiligter. Vorangestellt sein soll aber: je eher Schüler:innen lernen, auch mit ihrem eigenen Smartphone verantwortungsbewusst umzugehen, um so besser. Dazu kann BYOD und die offene Nutzung in der Schule, und sei es nur der Abruf von Vokabeln, einen großen und nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten.

Sollte sich Ihre Schule mit dem Gedanken einer größeren Anschaffung beschäftigen wollen, so gibt es mittlerweile vielseitige Möglichkeiten, u.a. auch Angebote Geräte in Klassenstärke(n) zu leasen. Ob es immer sinnvoll ist eine komplette Klasse auszustatten sei zusätzlich dahingestellt – es gibt viele Kolleg:innen, die sogar eine Anzahl von 5-8 Geräten pro Klasse bevorzugen um kooperatives Arbeiten tatsächlich zu ermöglichen, um nicht einfach nur das Heft gegen ein Endgerät zu ersetzen. Diese Überlegungen sollten für eine Entscheidung aller beteiligten Gremien einbezogen werden. Für viele Schulen wird – trotz des Digitalpaktes – die Frage eher zweitrangig sein.

Für Schulen, die wie unsere bei einem großen „Nichts“ starten, sowie für Kollegien, bei denen die digitale Arbeit noch in den Kinderschuhen steckt, ist der Beginn mit Beamern sicherlich ein gangbarer Weg. Kolleg:innen, die sich digitaler Arbeit bereits nähern oder schon längst gern öfter digital unterwegs waren, eröffnet sich so die Möglichkeit zu starten bzw. endlich Ideen umzusetzen. Das Budget der Schulen kann die Anschaffung einer größeren Anzahl von Beamern oft leicht verdauen und die Frage bzw. Diskussion bezüglich Endgeräten für alle kann guten Gewissens verzögert werden, wenngleich einigen dies „zu wenig“ vorkommen wird.

Wie bei vielen unserer Themen gilt also: Mut haben und starten – auch wenn es nur mit einem Projektionsgerät ist.

Zur Vertiefung

Tipps & Übungen

Das HDMI Kabel zum Beamer sollte 10m nicht überschreiten. Auch bei 10m gibt es oft schon Verbindungsprobleme, so dass es hilft einen HDMI Verstärker anzuschaffen, sollte eine Länge unter 10m nicht umsetzbar sein. Meist betrifft dies aber nur fest installierte Geräte.

 

Auch die Anschaffung eines Dongles kann sich lohnen. Dieser kreiert eine Art Mini-WLan in welches sich auch die Klasse mit dem angezeigten Passwort anmelden kann, um so mit Ihren Geräten direkt ihre Ergebnisse oder Präsentationen zu projizieren.

Best-Practice Beispiel

Die Kombination Beamer + Tablet /passendes Endgerät bewährt sich in vielen Schulen:

Angeschlossen mit einem passenden Adapter ist es möglich im Unterricht Bilder, Buchseiten, Hausaufgaben Lösungen etc. an die Wand zu projizieren.

Möglich sind hier 2 Vorgehensweisen: ich stabilisiere mein Gerät (ggf. mit einem Stativ) und lasse die Kamerafunktion aktiviert. So baue ich mir selbst eine Dokumentenkamera, die in der Regel sogar eine schnellere Reaktionszeit hat als ein tatsächliches Gerät dieser Art. Zum Beispiel können Hausaufgaben so beim Vortragen sichtbar werden für alle, was insbesondere Schüler unterstützt, die sich beim rein auditiven Vortrag nicht auf die Rezeption konzentrieren können. Möglichkeit 2: vom Produkt der Gruppenarbeit, der Hausaufgaben etc. wird ein Foto gemacht und über die Galerie geöffnet. Das bietet gleich zwei entscheidende Vorteile. Egal ob das Bild über die Galerie oder in einem Programm der Wahl geöffnet wird (Unterrichtsmanagement, Projektion…) – ich kann Änderungen und Anmerkungen direkt einfügen oder Rückfragen dokumentieren. Auch Tafelbilder können so gemeinsam erstellt werden, z.B. durch eine Zusammensetzung aus verschiedenen Gruppenergebnissen.

Wenn die Schule bereits ein Lernmanagementsystem (LMS) besitzt (z.B. Mebis, Moodle, Logineo) oder die Lehrkraft ein Padlet, hat dieses Vorgehen den weiteren Vorteil, dass die Ergebnisse so für die gesamte Klasse oder den gesamten Kurs direkt online verfügbar gemacht werden können. Dies hilft auch bei krankheitsbedingtem Fehlen oder verlorenen Arbeitsblättern. Auch erstellte Präsentationen, die einen Lehrervortrag ggf. unterstützt haben können so allen zur Verfügung gestellt werden.

Jetzt weiterlernen!

Im Artikel Erste Hilfe Guide zeigen wir dir, wie du deine digitale Arbeit beginnen kannst!
Jetzt lesen
Hier stellen wir eine Unterrichtsmethode vor, die den Einsatz des Beamers im Unterricht voraussetzt:
Jetzt lesen
Zurück zur Artikelübersicht