Homeschooling, Distanzlernen, Wechselunterricht? - Was denn nun?

„Ich bin im Home-Office.“ Das hat die letzten Monate bestimmt jeder von uns schon einmal gesagt oder gehört. Dieser Begriff ist eindeutig, alle wissen, das damit die Arbeit von zu Hause gemeint ist. Es gibt keine Unklarheiten.

Im schulischen Kontext ist das leider nicht so einfach. Wir lesen von „Homeschooling“, Distanzlernen, Blended Learning, Flipped Classroom und Wechselunterricht, um nur einige zu nennen. Irgendwie sollen alle Begriffe dasselbe bedeuten, doch ist das tatsächlich so einfach?
Um es kurz zu machen: Nein!

Es vielmehr so, dass hier unterschiedliche Methoden des Unterrichtens bezeichnet werden. Wir haben diese für euch in einem kurzen Tutorial ausführlicher beschrieben. Das Wichtigste aber vorweg: Es findet grundsätzlich kein „Homeschooling“ statt. Das würde bedeuten, dass der Unterrichtsstoff durch Hauslehrer oder gar die Eltern vermittelt wird. Diese Art von Unterricht ist in Deutschland verboten.

Andere Methoden, wie Blended Learning, Flipped Classroom oder Wechselunterricht, finden aber durchaus statt. Hier wird es wichtig die Unterschiede zu kennen, um in der aktuellen Diskussion um Schule und Lehren und Lernen aktiv teilnehmen zu können. Im schulischen Umfeld ist eine gemeinsame Begriffsbestimmung bzw. -festlegung notwendig, damit die Kommunikation nach außen eindeutig bleibt.


Interaktion mit den Lernenden gestalten

Interaktion mit den Lernenden gestalten

Wie aktiviere ich Schüler:innen im Live-Online-Unterricht?

Wir alle haben in den letzten Monaten erfahren wie schwierig es ist, sich beim Online-Unterricht dauerhaft auf den Lerngegenstand zu konzentrieren. Daher ist es im Online-Unterricht essentiell, regelmäßig mit den Schüler:innen in Interaktion zu treten. So wie auch im Präsenzunterricht: Hier werden routiniert Anlässe oder Störungen aufgegriffen ,kleinere Abstimmungen gemacht oder die Schüler:innen beschreiben ihre Erfahrungen oder Assoziationen mit dem Unterrichtsthema. Dies schafft Nähe, Abwechslung und eine persönliche Verbundenheit zum einen mit dem Unterrichtsstoff, aber auch die Lerngruppe untereinander bekommt so ein „Gemeinsamkeits-Gefühl“. Des Weiteren bekommt ihr als Lehrende Feedback zum aktuellen Unterrichtsgeschehen und könnt Schüler:innen, die gedanklich abgelenkt sind, wieder mehr in den Unterricht einbeziehen.

 

Was im Präsenzunterricht selbstverständlich ist, stellt uns alle im Online-Unterricht vor Herausforderungen: Zum einen haben wir die Schüler:innen oftmals nicht im Blick, um spontan den richtigen Zeitpunkt für eine Interaktion zu sehen, zum andere fehlen vielleicht auch die Ideen für kurze virtuelle Aktivitäten.

Daher empfehle ich euch, ein Set an Interaktionsmöglichkeiten und Icebreakern (interaktive, spielerische Methoden) vorzubereiten und virtuell „griffbereit“ zu haben. Auch ist es aus Erfahrung hilfreich, direkt bei der Unterrichtsvorbereitung einen zeitlichen Ablauf festzulegen, der die möglichen Interaktionen direkt mit einbezieht.

Gängige Interaktionen können über den Chat oder über Abfragen gesteuert werden. Weitere kurze Aktivierungsmöglichkeiten geordnet nach den Unterrichtsphasen Einstieg & Aktivierung, Erarbeitung & Präsentation, Sicherung & Festigung sowie Kontrolle & Feedback könnt ihr auch im Methodenkoffer hier auf Edumentoring finden.

Auf den Methodenkarten erhaltet ihr eine Kurzbeschreibung, mögliche Zielsetzung, notwendige Materialien und somit einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten. Ihr erfahrt, für welche Klassenstufen die Methoden geeignet sind, wie ihr diese vorbereitet und umsetzt und wie viel Zeit ihr dafür im Unterricht einplanen solltet. Die PDFs könnt ihr euch dafür einfach herunterladen und habt diese so immer griffbereit. Viele der Methoden lassen sich auch prima im Präsenzunterricht einsetzen.

 

Ein Anwendungsbeispiel vorweg:

Zum Start der Stunde habt Ihr oftmals einige Aufgaben zu erledigen und könnt noch nicht mit der ganzen Klasse kommunizieren. Einzelne Schüler:innen haben vielleicht noch Rückfragen oder persönliche Informationen, ihr checkt die Anwesenheitsliste oder bereitet im virtuellen Raum noch etwas vor. Lasst hier die Schüler:innen schon ein wenig interaktiv werden, in dem ihr ihnen z.B. ein paar Links mit spaßigen Elementen oder auch Inhalten zum Thema zur Verfügung stellt. Schaut dafür mal die Infos auf der Methodenkarte „QR-Codes zum Ankommen“ im Methodenkoffer an.

 

Dabei müssen die Interaktionen nicht immer etwas mit dem Unterrichtsgegenstand direkt zu tun haben. Sie können

  • auf das Unterrichtsthema einstimmen,
  • oder einfach nur den Kopf mal freimachen,
  • körperliche Verspannungen lösen (Bewegungsspiele z.B. “Schnitzeljagd”),
  • die linke und rechte Gehirnhälfte aktivieren,
  • die Gruppenstimmung verbessern, indem gemeinsam gelacht wird,
  • über eine Wettbewerbssituation anspornen,
  • ein Stimmungsbild erzeugen oder Feedback geben.

 

Nach einer Interaktion bestätigen viele Lernende, dass sie wieder aufnahmefähiger sind und sich dabei auch körperlich wohler fühlen.

 

Probiert es mal aus und teilt gerne unter diesem Beitrag eure Erfahrungen. Wir freuen uns auch über Rückmeldung und Wünsche zur Ausgestaltung weiterer Methodenkarten. Ideen haben wir noch einige, teilt uns eure Anwendungsbeispiele mit und wir erstellen dazu gerne weitere Methodenkarten.


Häusliche Lernzeit aus Schülerperspektive

Häusliche Lernzeit aus Schülerperspektive.

Das Lernen in häuslicher Lernzeit ist nun mit Unterbrechungen seit etwa
einem Jahr Realität. Dies fordert Lehrer:innen sowie Schüler in vorher nicht da-
gewesener Weise. Missverständnisse sind in dieser Situation unvermeidlich.
Diese zu vermeiden und zu beseitigen ist Aufgabe von Schüler:innen und
Lehrer:innen gleichermaßen.

Man könnte meinen dass sich die meisten Probleme nach nun fast einem Jahr aufgelöst haben sollten. Dem ist leider nicht so. Doch woher sollen Sie, liebe Lehrer:innen, den wissen was wir Schüler:innen denken, wenn niemand es wagt, neben positiven auch kritische Berichte zu äußern? Woher sollen Sie wissen, was uns stört, oder was wir uns mehr wünschen, wenn, sollten Sie einmal Kritik bekommen, diese nur destruktive Eigenschaften aufweist?

“Was wollen die Schüler:innen denn?” ist eine gute und einfach zu beantwortende Frage: So wenig Arbeit wie möglich. Wie allgemein bekannt ist, ist dies jedoch wenig zielführend. Dennoch erlebe ich es bei einigen Lehrer:innen, dass sie sich an diesem zu orientieren scheinen. Meiner Meinung nach ist es nicht hilfreich uns Schülern lediglich ein Tafelbild zum Abschreiben zu geben. Diese können Schüler sehr gut ohne Nachzudenken übernehmen, was darin resultiert, dass es sinnlos wäre uns 20 Sekunden nachdem wir fertig mit dem Abschreiben des Bildes sind zu fragen, was wir abgeschrieben haben.

Wie also könnte ein besserer Fernunterricht aussehen?

Der erste Punkt wäre schriftliche Aufgaben zum Stoff zu stellen. Dies sorgt bei gründlicher Ausführung dafür, dass wir Schüler uns einen Teil des Stoffs etwas länger als 20 Sekunden merken. Es bringt jedoch auch Probleme mit sich. Diese wären beispielsweise die folgenden:

  • Nicht jeder wird die Aufgaben erledigen. Eine ganz pragmatische Lösung dazu wäre, einen Teil der Aufgaben zur Kontrolle einzufordern. Dies hat jedoch zur Folge, dass der gleich folgende Punkt einen schnelleren Verlauf nimmt, da ein Zwangsgefühl verschlimmernd hinzukommt.
  • Auf längere Zeit sorgt dies für einen nicht zu unterschätzenden Motivationsverlust auf Seiten der Schüler. Dies kommt vorrangig durch die Eintönigkeit, welche solche Aufgaben mit sich bringen. Zudem haben Aufgaben dieses Types meist keinerlei Reiz.

Wie löst man nun diese Probleme? Eine von uns Schüler:innen gerne genutzte Möglichkeit sind Konferenzen. Durch den Austausch werden wir Schüler aktiv dazu gezwungen uns mit dem Thema zu beschäftigen, ohne dabei ein Gezwungenheitsgefühl zu entwickeln, welches zu große Ausmaße annimmt.

Allerdings sind in Konferenzen sowie bei der Planung dieser oftmals Verhaltensmuster zu erkennen, welche wenig förderlich sind. Einige dieser Punkt werden in folgender Liste aufgeführt.

  • Bitte keine freiwilligen Konferenzen. Diese erreichen nicht solche Schüler:innen, die nichts machen, daher die Konferenzen am meisten bräuchten.
  • Bitte keine Vorträge. Dokumente können wir selber lesen. Was uns Schüler:innen hilft ist ein gemeinsames Durchgehen des Stoffes sowie der Aufgaben.
  • Dabei bitte nicht an sich sofort zu Wort meldenden Schüler:innen orientieren, sondern an Schüler:innen die für eine Antwort erst angesprochen werden müssen.
  • Solche Personen, welche den Bedingungen am Ende des letzten Absatzes entsprechen, bitte nicht im Stillem zuhören lassen sondern aktiv ansprechen. Solche Personen haben meist diese Probleme mit dem behandelten Thema.

Es gibt noch ein paar weit simplere Muster, welche uns Schüler oft stören:

  • Bitte keine Konferenzen über die Mittagszeit. Auch Schüler wollen essen.
  • Bitte im Kollegium absprechen, wer wann Konferenzen macht. Ein geteilter Kalender kann dieses Problem ganz pragmatisch lösen.
  • Bitte bedenken, dass nur weil wir Schüler:innen zu Hause sind, wir nicht von 8 bis 16 Uhr Zeit haben. Daher ist es ungünstig ist über den gesamten Tag verteilt Konferenzen zu planen.

Natürlich sind Konferenzen alleine ebenfalls nicht ausreichend. In einer Klasse mit 28 Schülern bei einer 60 Minuten langen Konferenz hat ein Lehrer der keinen Stoff vermitteln möchte lediglich etwas mehr als 2 Minuten pro Schüler. Daher ist die Zeit sehr knapp. Als eine gut funktionierende Lösung hat sich, zumindest aus meiner Sicht, das vorherige Bereitstellen eines den Unterricht enthaltenden Mediums herausgestellt. Dieses ermöglicht es beim Bearbeiten einer in der Konferenz gestellten Aufgabe möglichst schnell nachzulesen wie man weiter kommt.

Natürlich funktioniert dies nicht in jeder Situation, in solchen, in denen es aber hilft entlastet es Lehrer:innen wie Schüler:innen.

Eine letzte Bitte habe ich noch: Halten Sie sich an schulinterne Vereinbarungen. Denken Sie bitte nicht, dass Sie der oder die einzige sind der oder die etwas anders macht. Es ist oftmals so, dass Lehrer:innen wenn Sie sehen, dass ein:e Lehrer:in sich nicht an Vereinbarungen hält, schnell nachziehen. Dies sorgt für ein unübersichtliches Durcheinander.

Ich hoffe dies wird Ihnen helfen in Zukunft besseren Fernunterricht zu halten auch wenn klar ist, dass alle hier genannten Punkte konsequent umzusetzen schwierig ist.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Lehren mit oder ohne Schüler:innen im Raum.

Richard geht im die 9.Klasse eines Gymnasiums in Sachsen. Er hat EDUmentoring während des UpdateDeutschland-Hackathons unterstützt.

Edumentoring-Logo mit der Kennzeichnung als Projekt des WirVsVirus-Hackathons

Ein neues Abenteuer: #UpdateDeutschland

Ein neues Abenteuer: # UpdateDeutschland

Wir sind ein Team aus Lehrkräften, Medienpädagogen und Eltern, die das Projekt EDUmentoring ehrenamtlich vorantreiben. Wir treffen uns alle zwei Wochen, um uns abzustimmen, Ideen zu besprechen, uns auszutauschen, Aufgaben zu verteilen, usw. Da dies alles natürlich parallel zu unseren anderen Aufgaben und Jobs stattfindet, kommen wir nicht so schnell voran, wie wir es uns manchmal wünschen.

Dann kam die Idee: Wir nehmen teil am Hackathon Update Deutschland – 48h-Sprint vom 19.-21. März 2021. Hackathon-Erfahrung haben wir ja schon gesammelt: So startete unser Projekt vor ziemlich genau einem Jahr im Zuge des WirVsVirus – Hackathons im März 2020. Wir konnten im Umsetzungsprogramm des WirVsVirus – Solution Enabler unser Konzept festigen und im WirFürSchule – Hackathon (Juni 2020) zählten wir mit unserem Beitrag “Mikro-Snacks – mit kleinen Schritten zur Digitalisierung” zu den Finalisten im Themenfeld 9 “Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrer*innen”.

 

Unsere Herausforderung für das Wochenende: Diese Seite umzubauen, neue Inhalte zu schreiben und unser Konzept neu zu prüfen.

 

So sind wir voller Elan am Freitagabend mit einem ersten Treffen gestartet und haben Aufgaben verteilt. Am Samstag wurde in verschiedenen Gruppen gearbeitet, zwischendrin fand Austausch mit anderen Projekten statt (Hier ein herzlicher Gruß an das Team von WirLernenOnline.de!) und am Abend wurde reflektiert, kommentiert und Entscheidungen getroffen. Am Sonntag begann die Arbeit an einer neuen Rubrik: Methodenkarten für den Unterricht (einfach mal reinschauen und Neues entdecken), die Homepage wurde weiter aktualisiert und bereits geschriebene Artikel wurden veröffentlicht. Auch wurden unsere MikroSnacks aus dem Hackathon WirFürSchule noch einmal uüberarbeitet und gehen demnächst endlich online! Die DevPost-Abgabe  rückte immer näher, aber wir waren auf einem guten Weg und Zeit für einen Kaffeeplausch blieb auch während eines Online-Meetings 🙂

FAZIT: 48 spannende Stunden gingen schnell vorbei. Wir haben viel von unserer ‚to-do -Liste‘ geschafft und können zu Recht stolz auf uns sein! Schaut euch das (bisherige) Ergebnis an – wir freuen uns über Feedback, Ideen und Input!

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EDUmentoring - Wie es weitergeht

EDUmentoring - Wie es weitergeht

Das letzte Jahr war für uns alle herausfordernd. Wir wurden mit viel Unsicherheit, Ungewissheit und Herausforderungen konfrontiert. Doch die Krise brachte auch viele kreative Lösungen mit sich. Wir alle sind gerade in Fragen des digitalen Unterrichts schon einige Schritte weitergekommen. An vielen Stellen müssen wir auch weiterhin noch ordentlich zulegen und neue Lösungen ausprobieren, doch ein Anfang ist gemacht.

Wir von EDUmentoring verbinden mit den Erfahrungen der letzten Monate vor allem auch die Hoffnung, dass der Digitalisierungsschub ein Startpunkt für zukunftsgewandten Unterricht darstellt, der verstärkt auf digitale Elemente setzt. Das heißt vor allem: dranbleiben und weiterentwickeln!

Diesen Weg möchten wir langfristig unterstützen. Auch wenn es in den letzten Monaten um uns ruhiger geworden ist, haben wir aktiv an neuen Inhalten gearbeitet, Lehrer:innen die uns angeschrieben haben unterstützt und uns neue Konzepte überlegt, wie wir am besten unseren Beitrag zur Digitalisierung der Schulen leisten können.

Ein erster Schritt für uns wird eine komplett überarbeitete EDUmentoring-Seite sein, an der wir gerade intensiv arbeiten. Von diesem Neustart aus haben wir viel vor – von unseren Artikeln über Schulungsmaterialien bis hin zu Austauschformaten. Einiges davon steht noch auf unserer Liste mit langfristigen Zielen – neue Inhalte erwarten euch schon demnächst!

 

Was kommt:

  • EDUmentoring-Relaunch
  • Mikro-Snacks
  • digitaler Methodenkoffer
  • Lehrer:innenaustausch

 

Bis Bald

Euer EDUmentoring-Team

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Unterrichten - nah und fern

Unterrichten - nah und fern

Die einen sprechen von „Blended Learning“, die anderen vom „Hybridunterricht“. Gemeint ist die Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht.

Für mich konkreter wurde das Thema nach den Pfingstferien in Baden-Württemberg: Für die letzten 6,5 Wochen des Schuljahres 2019/20 kamen meine SuS eingeteilt in A- und B-Gruppen im wöchentlichen Wechsel in die Schule. Ich sollte also jeden SuS drei Wochen sehen.

Für die konkrete Umsetzung gibt es verschiedene Varianten (vgl. auch Philippe Wampfler: Präsenz- und Fernunterricht kombinieren).

Für meinen Französisch-Kurs wählte ich die Variante “Identisches  Präsenzmodul“. Ich bereitete also zwei inhaltlich nicht aufeinander aufbauende Unterrichtsmodule vor. Während die eine Gruppe bei mir im Präsenzunterricht Modul A behandelte, sollte die ‚zu-Hause-Gruppe‘ Modul B bearbeiten. Ich hielt quasi alle Unterrichtsstunden doppelt, konnte aber mit der deutlich kleineren Lerngruppe besser arbeiten und versuchen, Defizite gezielter aufzuarbeiten. Im Präsenzunterricht stand vor allem das Sprechen in der Fremdsprache im Vordergrund. Ein Thema, welches während der Schulschliessung (März – Mai 2020) häufig zu kurz kam und auch in den Videokonferenzen nur schwer umzusetzen war.  Im Fernunterricht stand vor allem das Schreiben im Fokus, welches im Präsenzunterricht viel Unterrichtszeit in Anspruch nimmt. Das Engagement die Aufgaben zu Hause zu bearbeiten ließ allerdings mit den Wochen deutlich nach.

In meinem sehr kleinen Chemie-Kurs hielt ich jede Unterrichtsstunde nur einmal: Während die eine Gruppe bei mir im Chemiesaal mit Leihtablets saß, schaltete ich die andere Gruppe via Videokonferenz dazu. Mein geteilter Tablet-Bildschirm wurde von den SuS zu Hause genauso gesehen, wie der projizierte Bildschirm von meinen präsenten SuS. Damit die beiden Gruppen auch miteinander arbeiteten konnten und der Unterschied zwischen ‚zu Hause‘ und ‚in der Schule‘ möglichst gering war, plante ich meinen kompletten Unterricht mit Padlets und Oncoo. Die SuS ergänzten gemeinsam Regeln zum Aufstellen von Oxidationszahlen im Padlet und formulierten Definitionen zum Oxidationsmittel bei der Kartenabfrage auf oncoo.

Ein Highlight war das Projekt „Technische Spannungsquellen“: Jeder SuS hatte ein Thema aus diesem Bereich (Leclanché-Element, Bleiakku, Lithium-Ionen-Akku, Brennstoffzellle, …). Die Themen wurden in einer Videokonferenz mit ‚Team Shake’ ausgelost. Zu dem jeweiligen Thema sollten vorgegebene Informationen (Übersicht, Erklärfilm, Quiz, Arbeitsblatt, ‚Ich kann-Liste’ , …) in einem gemeinsamen Padlet gesammelt werden. Ich gab den SuS kontinuierlich Rückmeldungen zu den eingestellten Materialien (Padlet Kommentarfunktion), aber auch die SuS konnten sich gegenseitig (Peer-)Feedback geben (Padlet Kommentarfunktion, Reaktion ‚Gefällt mir‘).

Obwohl ich schon vor der coronabedingten Schulschliessung mit dem Tablet im Unterricht gearbeitet habe, hat auch mich der Fernunterricht gezwungen, mich nochmal anders und intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich freue mich schon im nächsten Schuljahr, in welchem Unterrichtsszenario auch immer, auf die von den SuS erlernten Techniken aufbauen zu können. Viele Anwendungen sind inzwischen für sie selbstverständlich geworden und müssen nicht mehr erklärt werden. Dazu gehören: BookCreator, Oncoo und Mentimeter, Zumpad und Padlet und natürlich der Klassiker Kahoot!

LuL und SuS haben in diesem Schuljahr viel dazugelernt, darunter auch vieles, das so nicht im Lehrplan steht. An meiner Grundschule stand der Text „Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben!“ und das haben wir sicher alle!

 

Ich wünsche allen sonnige, erholsame, phantastische – einfach schöne Sommerferien!


Was kann ich in den Sommerferien tun, um mich auf das nächste Schuljahr vorzubereiten?

Was kann ich in den Sommerferien tun, um mich auf das nächste Schuljahr vorzubereiten?

Dieses Schuljahr war das Schwerste, was ich bisher in meiner 20-jährigen Karriere erlebte. Bisher gehörten zu meinem Alltag zwar auch zu wenige Lehrpersonen mit zu vielen Ausfällen, Unterrichten in mir fremden Fächern oder auch zahlreiche Überstunden. Doch das alles war vor der Corona-Krise. Als die Krise anfing, wurde mir schnell klar, dass ich mich in den unterschiedlichen Medien fit machen muss. Ohne mögliche Fortbildungen, mit überforderten Kollegen und Schulleitung fühlte ich mich allerdings alleingelassen. Die Mehrheit von uns erlebt, wie an einem Tag noch Regelunterricht stattfand und am nächsten Tag Schulschließungen und Home-Office angekündigt wurden. Darüber habe ich in meinem letzten Blog-Post geschrieben. Hier möchte ich darüber reden, wie ich mich auf das nächste unsichere Schuljahr vorbereite. Warum unsicher? Weil niemanden weiß, ob es eine zweite oder dritte Covid19-Welle geben wird. Werden die Schulen wieder geschlossen? Und was ist, wenn ein Corona-Fall in meiner Schule auftritt? Vielen Schulen fehlen noch die konkreten Informationen, da es zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch keine konkreten Informationen gibt. Wir Lehrer müssen trotz allem den Anfang des neuen Schuljahres vorbereiten.

 

So was nun? Ich habe einen Fragenbogen der iNACOL – der International Association for K-12 Online Learning (K-12 ist äquivalent zur 1 Klasse bis Ende Abitur) zu meinen digitalen Fähigkeiten ausgefüllt. Dadurch habe ich herausgefunden, wo ich stehe und wo meine persönlichen Schwächen stehen. Ich habe diesen Fragenbogen für Sie hier auf Deutsch vorbereitet, sodass Sie sich selbst bewerten können. Haben Sie keine Angst. Jeder von uns hat Schwächen und es ist in Ordnung, wenn man etwas Neues ausprobiert, Fehler zu machen. Fehler sind ein Teil des Lernens!

 

Im Hintergrund sind wir von EDUmentoring.de gerade dabei neue Themen für Sie zu finden und aufzubereiten. Lassen Sie uns gern wissen, zu welchen Themen Sie sich Informationen und Artikel wünschen. Schreiben Sie uns dafür gern eine Mail info@edumentoring.de oder ein Kommentar unter diesen Artikel.

Jetzt Misch- und Online-Lehrkompetenz testen:

Fragebogen als PDF herunterladenFragebogen als Excel-Datei herunterladen

Übersetzte und an Deutschland angepasste Fassung des iNACOL Blended & Online Teaching Assessment
weitere Informationen: iNACOL Blended Learning Teacher Competency Framework

 iNACOL, The International Association for K-12 Online Learning, http://www.inacol.org/


Vergleichen Sie Ihre Punktzahl aus dem iNACOL Blended & Online Teaching Assessment:

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Im Nachhinein ist man immer klüger - Erfahrungen aus dem Online-Unterricht

Im Nachhinein ist man immer klüger...

Anfang März hat sich innerhalb weniger Tage unser Alltag geändert. Ich wünschte mir, dass ich gewusst hätte, was ich jetzt weiß…

Am Freitag dem 13. März haben wir die erste „bitte schick alle Schüler mit den Büchern nach Hause“ Nachricht bekommen. Am darauffolgenden Dienstag hatten wir unseren letzten Schultag. Viele der Schüler waren bereits nicht mehr anwesend. Von unserer Schulleitung kam zusätzlich ein Hinweis, dass wir wichtige Dokumente (Klassenlisten, Lehrbücher und Lehrerhandreichungen) bei uns zuhause haben sollten, damit wir im Falle einer Schließung Aufgaben für die Kinder an die Eltern schicken können. Was nun? – habe ich mir gedacht.

Wie geht es weiter? Sollte ich auf Anweisungen von der Schule und dem Senat warten, oder selbst die Initiative ergreifen? Ich habe mich für das kalte Wasser entschieden und bin kopfüber in die Digitalwelt eingetaucht. Ich kenne mich ziemlich gut mit digitalen Dingen aus, aber zu dieser Zeit war auch ich überfordert.

Den nachfolgenden Dienstag hatten wir ein Not-Gesamtkonferenz unten Corona-Bedingungen. Ab Mittwoch war die Schule geschlossen.  In den nächsten Tagen habe ich viel mehr Stunden als normal an der Digital-Unterricht -Vorbereitung und an meiner Website gearbeitet. Für Lernvideos oder Erklärvideos war zu Beginn keine Zeit. Der Aufwand der Erstellung war viel höher als die Vorbereitung für den frontalen Unterricht.

Meine erste Digital-Unterrichts-Stunde war ein Erlebnis. Meine Schüler, die zwischen 10-12 Jahre alt sind, haben es größtenteils geschafft, sich einzuloggen. Ich habe sie begrüßt, gefragt, wie alles zu Hause läuft und ihre Fragen beantwortet. In den nächsten Wochen habe ich viel gelernt und ausprobiert – teilweise erfolgreich, teilweise misslungen.

Allerdings habe ich mich besser organisiert und dadurch Tipps und Tricks für eine erfolgreiche digitale Lehre entwickelt. Ich hoffe, dass diese Tipps, Tricks und Infos Ihnen auch helfen können. Hinterher ist man immer klüger, und hier ist meine Liste von dem, was ich gerne am Anfang gehabt hätte.

Sara

Die folgenden Erfahrungen möchte ich gern mit Ihnen teilen:

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"Hallo hört ihr mich?" - Eine kleine Anekdote aus meiner ersten Online Unterrichtsstunde

"Hallo hört ihr mich?" - Warum antwortet denn keiner?

Eine kleine Anekdote aus meiner ersten Online Unterrichtsstunde, die mir gezeigt hat, dass wir Lehrende noch so viel mehr lernen müssen als nur die Technik.

Die letzten Wochen vor Ostern hatte ich mit intensiver Vorbereitung verbracht, um Lernmodule zu erstellen, Hausaufgaben zu erfinden und Unterrichtsstunden zu kreieren, die in der digitalen Welt funktionieren könnten. Die Technik war in der ersten Zeit mein Endgegner und alles dauerte auf einmal so viel länger, als in meinem analogen Alltag. Umso glücklicher war ich, als die ersten Stunden vorbereitet waren und es losgehen konnte.

Ich schickte meinen Schüler:innen einen Link zu einer Videokonferenz, legte Datum und Uhrzeit fest und lud bereits vorab einige Materialien hoch. Es sollte nichts zu Anspruchsvolles werden, schließlich war es unser erster Versuch. Lediglich eine kurze Einführung in das Programm, ein bisschen Plaudern und mich mal nach dem Ergehen meiner Schützlinge erkundigen – mehr sollte es gar nicht werden.

Irgendwie freute ich mich schon richtig darauf. Vermutlich auch, weil ich meine Klasse schon eine ganze Weile kannte. Eine Gruppe motivierter Schüler, die sich gerne am Unterricht beteiligten und in den Pausen auch mal noch ein Pläuschchen mit mir hielten. Was sollte da noch groß schief gehen?

Die Technik war an diesem Tag auf meiner Seite und der Start des Meetings lief reibungslos ab. Ich begrüßte alle, sagte ein paar Worte und fragte, wie es ihnen in den letzten Wochen ergangen war. Schon hier merkte ich, dass die Kommunikation heute etwas zäh war, nur 3 Schüler:innen antworteten auf meine Frage, dass es ihnen ganz gut gehe –„Es läuft halt so vor sich hin.. mhmh…“

Na gut, dachte ich mir – vielleicht wäre es besser, inhaltlich etwas zu beginnen. Ich erklärte also, wie wir in der folgenden Zeit verfahren würden, zeigte die Struktur meiner Lernmodule, erklärte die Hausaufgaben. Die Stille in der Runde erklärte ich mir in erster Linie durch die auf stumm geschalteten Mikrofone – darum hatte ich sie schließlich zu Beginn gebeten. Als ich mit meinem Informations-Input fertig war, atmete ich durch und sagte „Habt ihr noch Fragen?“. – Nichts. Niemand sagte etwas. Keine einzige Frage zu einem bislang völlig unbekannten Unterrichtskonzept. Und das bei einer Klasse, die sonst immer etwas zu sagen hat, selbst wenn man gar nicht danach fragt. „Könnt ihr mich hören?“ fragte ich, in der Hoffnung das Schweigen läge an technischen Problemen.

Zwei Schüler:innen schafften es nun immerhin in ihre Webcam zu nicken, jedoch geräuschlos. Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen meine Schüler zum Reden zu bekommen, musste ich kapitulieren.

Doch auch nach Beendigung des Unterrichts ließ mich diese Stille nicht los und so saß ich grübelnd in meinem Arbeitszimmer, griff immer wieder nach meiner Teetasse und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. – Bis mir eines klar wurde: Meine Schüler:innen waren weder unmotiviert noch gelangweilt, sie waren schlichtweg verunsichert. Während ich vor einigen Wochen noch am Pult vor ihnen Stand oder am Kiosk im Pausenhof, sitzen sie nun auf einmal virtuell in meinem Zuhause und sie sprechen mit einem Bildschirm. Und auch ich sitze irgendwie in ihren Zimmern. Ich dringe in ihre Privatsphäre ein, ob ich das will oder nicht. Und auch wenn meine Schüler:innen im Alltag keine Mühen scheuten, mir Freundschaftsanfragen auf Facebook zu schicken und zu versuchen, meinen Instagram Account zu finden, so war diese Situation nicht nur etwas ganz Neues, sondern auch etwas, was einen durchaus überfordern kann.

Nicht nur wir Lehrende wissen aktuell in manchen Situationen nicht weiter, sind überfragt mit der Technik und neuen Lernkonzepten, nein, auch unsere Schüler müssen sich mit dieser Situation erst zurechtfinden.

Gerade jetzt in Zeiten, in denen der Unterricht online, im sonst so schnellen Internet stattfindet, müssen wir umso mehr Geduld aufbringen, für uns und für unsere Schüler.


Chancen und Probleme - eine Umfrage der Robert Bosch Stiftung

Chancen und Probleme - eine Umfrage der Robert Bosch Stiftung

Der Digitalpakt, eine langsame Heranführung an den Einsatz digitaler Medien – und dann kam Corona:

Bereits seit einiger Zeit ist die Digitalisierung der Schulen in aller Munde. Schulen stellten bereits die ersten Konzepte auf, WLAN wurde in Räumlichkeiten eingeführt, erste Medienbeauftragte benannt. Deutschland begann sich langsam auf die Digitalisierung des Bildungswesens vorzubereiten – doch diese Maßnahmen beinhalteten keine Schulschließungen oder reines Online Learning.

Quelle: Deutsches Schulportal


Was sagt Deuts
chland heute? Einige Wochen nach den Schulschließungen und in der ersten Woche der Rückkehr der Abschlussklassen?

Die Robert Bosch Stiftung gab eine Studie in Auftrag, in der  vom 2. April bis zum 8. April 1.031 an allgemeinbildenden Schulen unterrichtende Lehrer:innen zur aktuellen Situation befragt wurden. Das deutsche Schulportal hat die Studie grafisch aufgearbeitet und auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Das Team von edumentoring.de hat sich die Ergebnisse etwas genauer angeschaut, um unsere Webseite weiter zu optimieren.

In Zeiten der Digitalisierung mag das Ergebnis auf den ersten Blick vielleicht ein wenig schockieren, doch tatsächlich geben 34% der Befragten an, dass weniger als ein Viertel aller Lehrer vor der Corona-Krise regelmäßig mit digitalen Medien gearbeitet hatten. Doch diese Zahl zeigt deutlich, wo wir ansetzen müssen:

Die Kompetenzerweiterung der Lehrenden im Einsatz von digitalen Medien. Das sehen auch über zwei Drittel aller Befragten so. Hierfür müssen zunächst die Grundlagen geschaffen werden. Lehrer:innen müssen sich erst technische Fähigkeiten aneignen, bevor sie mit dem digitalen Unterricht starten können. Die anfänglich vorhandene Unsicherheit hemmt die Kreativität in der Umsetzung. Nur wer sich technisch fit fühlt, hat die nötige Motivation und kann seinen digitalen Unterricht mit gutem Wissen und Gewissen halten.

Quelle: Deutsches Schulportal

Deutlich wird in der Studie außerdem, dass der Mehrwert von Lernplattformen noch nicht überall bekannt ist. 79% der Lehrer:innen nutzen aktuell ihr Standard-Mail- Programm zur Kommunikation mit Schüler:innen. Auch bei der Übermittlung von Unterrichtsmaterial greifen noch nicht alle Lehrer:innen auf diese Tools zurück. Lediglich 41% nutzen bereits Lernplattformen (wie z.B. Moodle, iServ, Ilias) um ihr Material zu teilen. Wir sind der festen Überzeugung, dass Lernplattformen den Arbeitsalltag im digitalen Unterricht wesentlich erleichtern und möchten aus diesem Grund hier ansetzen und Lehrer:innen schrittweise in die Thematik einführen.

Quelle: Deutsches Schulportal

Für 21% der Lehrer:innen stellt in der aktuellen Situation auch das Erstellen von geeigneten Unterrichtsmaterialien eine Herausforderung dar. Das Ergebnis zeigt sich in der Form der verwendeten Materialien: 84% nutzen Arbeitsblätter für ihre Schüler:innen. Immerhin 39% arbeiten bereits mit Erklärvideos. Unsere Erfahrung zeigt, welche erstaunliche Wirkung das visuelle Lernen erbringen kann und wir möchten weiterhin Lehrer:innen unterstützen selbst aktiv zu werden und Lernvideos zu produzieren.

Dass jedoch nicht alles schlecht ist an der aktuellen Situation, zeigt der Abschluss der Studie, in dem Lehrer:innen befragt werden, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Zukunft der Lehre haben wird. Über zwei Drittel geben an, ihre Schüler:innen ab sofort mehr darauf vorzubereiten, Verantwortung für ihre Lernprozesse zu übernehmen. Ebenso sind sie der Überzeugung, dass diese Krise einen enormen Anstoß im Bereich der digitalen Bildung bewirkt hat, den es andernfalls in dieser Form nicht gegeben hätte. Knapp die Hälfte der Befragten möchte digitale Medien auch in Zukunft im Unterricht nutzen.

Auch Lehrende sehen die Corona-Krise trotz aller Schwierigkeiten als Chance – und wir tun das auch. Aus diesem Grund werden wir weiter arbeiten, um so vielen Lehrer:innen wie möglich durch unsere Formate Unterstützung zu bieten.

Link zur Lehrer-Umfrage des Deutschen Schulportals