Häusliche Lernzeit aus Schülerperspektive

Häusliche Lernzeit aus Schülerperspektive.

Das Lernen in häuslicher Lernzeit ist nun mit Unterbrechungen seit etwa
einem Jahr Realität. Dies fordert Lehrer:innen sowie Schüler in vorher nicht da-
gewesener Weise. Missverständnisse sind in dieser Situation unvermeidlich.
Diese zu vermeiden und zu beseitigen ist Aufgabe von Schüler:innen und
Lehrer:innen gleichermaßen.

Man könnte meinen dass sich die meisten Probleme nach nun fast einem Jahr aufgelöst haben sollten. Dem ist leider nicht so. Doch woher sollen Sie, liebe Lehrer:innen, den wissen was wir Schüler:innen denken, wenn niemand es wagt, neben positiven auch kritische Berichte zu äußern? Woher sollen Sie wissen, was uns stört, oder was wir uns mehr wünschen, wenn, sollten Sie einmal Kritik bekommen, diese nur destruktive Eigenschaften aufweist?

“Was wollen die Schüler:innen denn?” ist eine gute und einfach zu beantwortende Frage: So wenig Arbeit wie möglich. Wie allgemein bekannt ist, ist dies jedoch wenig zielführend. Dennoch erlebe ich es bei einigen Lehrer:innen, dass sie sich an diesem zu orientieren scheinen. Meiner Meinung nach ist es nicht hilfreich uns Schülern lediglich ein Tafelbild zum Abschreiben zu geben. Diese können Schüler sehr gut ohne Nachzudenken übernehmen, was darin resultiert, dass es sinnlos wäre uns 20 Sekunden nachdem wir fertig mit dem Abschreiben des Bildes sind zu fragen, was wir abgeschrieben haben.

Wie also könnte ein besserer Fernunterricht aussehen?

Der erste Punkt wäre schriftliche Aufgaben zum Stoff zu stellen. Dies sorgt bei gründlicher Ausführung dafür, dass wir Schüler uns einen Teil des Stoffs etwas länger als 20 Sekunden merken. Es bringt jedoch auch Probleme mit sich. Diese wären beispielsweise die folgenden:

  • Nicht jeder wird die Aufgaben erledigen. Eine ganz pragmatische Lösung dazu wäre, einen Teil der Aufgaben zur Kontrolle einzufordern. Dies hat jedoch zur Folge, dass der gleich folgende Punkt einen schnelleren Verlauf nimmt, da ein Zwangsgefühl verschlimmernd hinzukommt.
  • Auf längere Zeit sorgt dies für einen nicht zu unterschätzenden Motivationsverlust auf Seiten der Schüler. Dies kommt vorrangig durch die Eintönigkeit, welche solche Aufgaben mit sich bringen. Zudem haben Aufgaben dieses Types meist keinerlei Reiz.

Wie löst man nun diese Probleme? Eine von uns Schüler:innen gerne genutzte Möglichkeit sind Konferenzen. Durch den Austausch werden wir Schüler aktiv dazu gezwungen uns mit dem Thema zu beschäftigen, ohne dabei ein Gezwungenheitsgefühl zu entwickeln, welches zu große Ausmaße annimmt.

Allerdings sind in Konferenzen sowie bei der Planung dieser oftmals Verhaltensmuster zu erkennen, welche wenig förderlich sind. Einige dieser Punkt werden in folgender Liste aufgeführt.

  • Bitte keine freiwilligen Konferenzen. Diese erreichen nicht solche Schüler:innen, die nichts machen, daher die Konferenzen am meisten bräuchten.
  • Bitte keine Vorträge. Dokumente können wir selber lesen. Was uns Schüler:innen hilft ist ein gemeinsames Durchgehen des Stoffes sowie der Aufgaben.
  • Dabei bitte nicht an sich sofort zu Wort meldenden Schüler:innen orientieren, sondern an Schüler:innen die für eine Antwort erst angesprochen werden müssen.
  • Solche Personen, welche den Bedingungen am Ende des letzten Absatzes entsprechen, bitte nicht im Stillem zuhören lassen sondern aktiv ansprechen. Solche Personen haben meist diese Probleme mit dem behandelten Thema.

Es gibt noch ein paar weit simplere Muster, welche uns Schüler oft stören:

  • Bitte keine Konferenzen über die Mittagszeit. Auch Schüler wollen essen.
  • Bitte im Kollegium absprechen, wer wann Konferenzen macht. Ein geteilter Kalender kann dieses Problem ganz pragmatisch lösen.
  • Bitte bedenken, dass nur weil wir Schüler:innen zu Hause sind, wir nicht von 8 bis 16 Uhr Zeit haben. Daher ist es ungünstig ist über den gesamten Tag verteilt Konferenzen zu planen.

Natürlich sind Konferenzen alleine ebenfalls nicht ausreichend. In einer Klasse mit 28 Schülern bei einer 60 Minuten langen Konferenz hat ein Lehrer der keinen Stoff vermitteln möchte lediglich etwas mehr als 2 Minuten pro Schüler. Daher ist die Zeit sehr knapp. Als eine gut funktionierende Lösung hat sich, zumindest aus meiner Sicht, das vorherige Bereitstellen eines den Unterricht enthaltenden Mediums herausgestellt. Dieses ermöglicht es beim Bearbeiten einer in der Konferenz gestellten Aufgabe möglichst schnell nachzulesen wie man weiter kommt.

Natürlich funktioniert dies nicht in jeder Situation, in solchen, in denen es aber hilft entlastet es Lehrer:innen wie Schüler:innen.

Eine letzte Bitte habe ich noch: Halten Sie sich an schulinterne Vereinbarungen. Denken Sie bitte nicht, dass Sie der oder die einzige sind der oder die etwas anders macht. Es ist oftmals so, dass Lehrer:innen wenn Sie sehen, dass ein:e Lehrer:in sich nicht an Vereinbarungen hält, schnell nachziehen. Dies sorgt für ein unübersichtliches Durcheinander.

Ich hoffe dies wird Ihnen helfen in Zukunft besseren Fernunterricht zu halten auch wenn klar ist, dass alle hier genannten Punkte konsequent umzusetzen schwierig ist.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Lehren mit oder ohne Schüler:innen im Raum.

Richard geht im die 9.Klasse eines Gymnasiums in Sachsen. Er hat EDUmentoring während des UpdateDeutschland-Hackathons unterstützt.