Ein Plädoyer für die Nutzung der Kamera im Live-Online-Unterricht

Wir alle haben in den vergangenen Monaten reichlich Erfahrungen mit dem Distanzunterricht über Videokonferenzsysteme gemacht. Dabei durften wir erleben, dass instabile Leitungen gerade das Videobild immer wieder zu Stocken gebracht haben. Ist das dann jedoch die Notwendigkeit, das Videobild generell auszustellen? Ein ganz klaren NEIN dazu. Die Qualität der Übertragung kann je nach Netzbelastung bei den einzelnen Anwendern schwanken. Dennoch ist es keine generelle Regel, wenn es mal "hakt", dass das Video nicht genutzt werden kann. Hier gilt es immer wieder die aktuelle Lage zu testen. Und sollte es gut funktionieren, dann nutzt die Videoübertragung!

 

Vor allem für die Schüler:innen ist es wichtig, mehr als nur den leeren Bildschirm zu sehen, um im Unterrichtsgeschehen am Ball zu bleiben. Das Sehen des Lehrenden mit seiner Bewegung und Mimik ist dabei hilfreich. Auch kann der Lehrende im Sichtkontakt mit den Schüler:innen feststellen, ob alle noch mit dabei sind oder ob es mal Zeit für einen Phasenwechsel wie eine spielerische Interaktion ist. Eigentlich genau so wie im Präsenzunterricht vor Ort.

 

Und wenn dabei mal die Katze auf den Schoß springt, ist es eine willlkommene Auflockerung des Unterrichts. Natürlich sind auch im Videounterricht die Bedürfnisse nach Privatsphäre zu beachten. Es gilt hier klare Vereinbarungen mit Schüler:innen und Eltern zu treffen. Auch solltet Ihr für den Unterricht die Kommunikationsregeln erarbeiten und einhalten. Z.B. legt Ihr fest, wie Wortmeldungen (Meldefunktion, Chat etc) erfolgen. Zur Erleichterung der Kommunikation im Unterricht mit Videobild haben wir Euch Kommunikationskarten erstellt. Diese könnt Ihr unter unserer Materialsammlung abrufen. Die leere Version der Karten könnt Ihr im Fremdsprachenunterricht selber beschriften. Oder nutzt auch gerne Euren regionalen Dialekt, um die Karten selber zu gestalten. Das bringt Freude und ein spielerisches Element in die Abstimmung der Kommunikationsregeln mit der Klasse.

 

Für einen motivierenden Videounterricht in einer Klassengemeinschaft nutzt soviel wie möglich die Kamera. Sollte es immer wieder zu technischen Schwankungen kommen, plant im Vorfeld für Euren Unterricht ganz gezielt Videophasen ein. Entscheidet dann, in welchen Unterrichtssequenzen das gegenseitige Sehen am wichtigsten ist. Nutzt dann auch gezielt die Kamera für Interaktionen und gemeinsame Auflockerungen. Ein paar Ideen dazu findet Ihr auch auf unseren Methodenkarten.

 

Kommunikationskarten (Druckversion verlinkt)
Vorschau Methodenkarten

 


Interaktion mit den Lernenden gestalten

Interaktion mit den Lernenden gestalten

Wie aktiviere ich Schüler:innen im Live-Online-Unterricht?

Wir alle haben in den letzten Monaten erfahren wie schwierig es ist, sich beim Online-Unterricht dauerhaft auf den Lerngegenstand zu konzentrieren. Daher ist es im Online-Unterricht essentiell, regelmäßig mit den Schüler:innen in Interaktion zu treten. So wie auch im Präsenzunterricht: Hier werden routiniert Anlässe oder Störungen aufgegriffen ,kleinere Abstimmungen gemacht oder die Schüler:innen beschreiben ihre Erfahrungen oder Assoziationen mit dem Unterrichtsthema. Dies schafft Nähe, Abwechslung und eine persönliche Verbundenheit zum einen mit dem Unterrichtsstoff, aber auch die Lerngruppe untereinander bekommt so ein „Gemeinsamkeits-Gefühl“. Des Weiteren bekommt ihr als Lehrende Feedback zum aktuellen Unterrichtsgeschehen und könnt Schüler:innen, die gedanklich abgelenkt sind, wieder mehr in den Unterricht einbeziehen.

 

Was im Präsenzunterricht selbstverständlich ist, stellt uns alle im Online-Unterricht vor Herausforderungen: Zum einen haben wir die Schüler:innen oftmals nicht im Blick, um spontan den richtigen Zeitpunkt für eine Interaktion zu sehen, zum andere fehlen vielleicht auch die Ideen für kurze virtuelle Aktivitäten.

Daher empfehle ich euch, ein Set an Interaktionsmöglichkeiten und Icebreakern (interaktive, spielerische Methoden) vorzubereiten und virtuell „griffbereit“ zu haben. Auch ist es aus Erfahrung hilfreich, direkt bei der Unterrichtsvorbereitung einen zeitlichen Ablauf festzulegen, der die möglichen Interaktionen direkt mit einbezieht.

Gängige Interaktionen können über den Chat oder über Abfragen gesteuert werden. Weitere kurze Aktivierungsmöglichkeiten geordnet nach den Unterrichtsphasen Einstieg & Aktivierung, Erarbeitung & Präsentation, Sicherung & Festigung sowie Kontrolle & Feedback könnt ihr auch im Methodenkoffer hier auf Edumentoring finden.

Auf den Methodenkarten erhaltet ihr eine Kurzbeschreibung, mögliche Zielsetzung, notwendige Materialien und somit einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten. Ihr erfahrt, für welche Klassenstufen die Methoden geeignet sind, wie ihr diese vorbereitet und umsetzt und wie viel Zeit ihr dafür im Unterricht einplanen solltet. Die PDFs könnt ihr euch dafür einfach herunterladen und habt diese so immer griffbereit. Viele der Methoden lassen sich auch prima im Präsenzunterricht einsetzen.

 

Ein Anwendungsbeispiel vorweg:

Zum Start der Stunde habt Ihr oftmals einige Aufgaben zu erledigen und könnt noch nicht mit der ganzen Klasse kommunizieren. Einzelne Schüler:innen haben vielleicht noch Rückfragen oder persönliche Informationen, ihr checkt die Anwesenheitsliste oder bereitet im virtuellen Raum noch etwas vor. Lasst hier die Schüler:innen schon ein wenig interaktiv werden, in dem ihr ihnen z.B. ein paar Links mit spaßigen Elementen oder auch Inhalten zum Thema zur Verfügung stellt. Schaut dafür mal die Infos auf der Methodenkarte „QR-Codes zum Ankommen“ im Methodenkoffer an.

 

Dabei müssen die Interaktionen nicht immer etwas mit dem Unterrichtsgegenstand direkt zu tun haben. Sie können

  • auf das Unterrichtsthema einstimmen,
  • oder einfach nur den Kopf mal freimachen,
  • körperliche Verspannungen lösen (Bewegungsspiele z.B. “Schnitzeljagd”),
  • die linke und rechte Gehirnhälfte aktivieren,
  • die Gruppenstimmung verbessern, indem gemeinsam gelacht wird,
  • über eine Wettbewerbssituation anspornen,
  • ein Stimmungsbild erzeugen oder Feedback geben.

 

Nach einer Interaktion bestätigen viele Lernende, dass sie wieder aufnahmefähiger sind und sich dabei auch körperlich wohler fühlen.

 

Probiert es mal aus und teilt gerne unter diesem Beitrag eure Erfahrungen. Wir freuen uns auch über Rückmeldung und Wünsche zur Ausgestaltung weiterer Methodenkarten. Ideen haben wir noch einige, teilt uns eure Anwendungsbeispiele mit und wir erstellen dazu gerne weitere Methodenkarten.